POESIE < Ausgesuchte Gedichte

Was lange währt

Was währt unter den sandigen Blutkrusten, entrissen unseren Träumen, eingebrannte Narben pechschwarz fortgetrieben, dem Eigenschein fremd geworden.

Stiller Schrei - die Adern zerberstend - eint uns, doch entzweit uns flimmernd-blind in halbgeschälte Rinde gedrungen. Schlaflos mit ausgebrannten Kummeraugen weinen wir in sinnentleerte Schauerklüfte, die sich schleichend füllen, den Kies knirschen und uns abrutschen lassen auf zu steilen Hängen.

Dieses trügerische Schattentheater in uns, das Täuschende, Schrille, das Idyll mit Fluss, Schilf und Schwänen entweihend. Das hilflose Fluchen der Finger, die auf der Suche nach des anderen Hand manchmal ins Leere fuchteln und silbengewütete Wandlungen in ihre knappe Existenz brüllen. Die Schürfwunden mit echohallender Brust eingeschnitten, die klagenden Seile mit Leid getauft. Die Seelensplitter in die Haut geschlagen bis zu kümmerlichster Knochen Klagen. Zerfetzt liegen wir in triefenden Malen, geschunden durch alle Zeit verstreut, bis wir ausgebuddelt als Zeugen abgebrannten Wahnsinns neu entdeckt werden.

Die Fieberblasen schräg schillernd in verlorenen Fluren, geplünderte Truhen, gespaltene Schlösser der heiligsten Innergedanken des Seelenschatzes, der lieblos hingeworfen und verlacht den Bestien als Aas dient.

Den Keil behände zu Ende gehämmert zwischen uns, dass wir uns nimmermehr finden können, auf ewig zerschunden und geschlachtet, mit stumpfen Messern jahrhundertbleich zerschnitten...

Bis göttlicher Puls in unsere letzten Überreste fließt als zärtlichste, helfende Hand...
Bis göttlicher Puls uns den Balsamtrunk der größten, unvergänglichen Kraft einflößt...
Bis göttlicher Puls Entscheidung erwachen lässt, Überzeugung lodernd unterstützt...
Bis göttlicher Puls uns emporhebt zu reinster Liebe, die alles heilt, alles vermag und nie verlischt.

  

V10.04.20
~ Bin federgeboren ~
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