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Das leblose Landhaus

Prunkvoll strahlt das Landhaus
Der Stadt, dem Dorfe Glanz entgegen,
Misst sich selbst in Herrlichkeit
Getrimmter Wuchs bringt höchsten Segen.

Die Zimmer weiß, mit Seide, Samt,
Die alten Bilder goldgerahmt,
Marmortisch und Silberteller,
Ein Luster sonnengleich, nur heller.

Reichtum ziert im Landhaus alle Wände,
Doch weg vom Fenster, weg die Hände.
Zu zerbrechlich kostbar' Räume,
Ordnung herrscht hier, keine Träume.
Stille nagt bei Tag am Schweigen,
Bei Nacht tanzt Frohsinn nie den Reigen,
Ein gold'ner Kerker ohne Leben,
Ein Garten ohne süße Reben.

Der Prunk muss bleiben, für die Welt,
Damit das Dorf nichts schlecht erzählt,
All die Kraft und all die Zeit -
Stets für Hauses Wohl bereit.

Bei der Arbeit, ohne Essen
Wurde auf die ganz vergessen,
Die in diesem Hause wohnen,
Die für dieses Hause lohnen.

Angst um diese teuren Hallen
Lässt Lebenslust tot niederfallen
Pracht und Prunk strahl'n feierlich
Doch Leben fehlt hier, jämmerlich.

  

V01.08.20
~ Bin federgeboren ~
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