BIOGRAFIE < Interview zum Album "Nebelleben", 2003

F: Einer der bekanntesten Solokünstler aus österreichischen Landen ist mit Sicherheit Leander mit seinem Projekt Tartosgardh. Sei neuestes Werk "Nebelleben" ist ein verdammt emotionales und ehrliches Stück Musik geworden und kann durch seinen coole Do-it-yourself-Charme überzeugen. Erfahrt hier mehr über die Motivationen und Absichten des Meisters! Leander, "Nebelleben", so heißt dein neues Album. Emotion Metal nennst du deine Musik selbst. Wie würdest du sie denn jemandem beschreiben, der noch nie etwas davon gehört hat?

A: Ich schreibe zuerst Gedichte, je nach Stimmungen und Gefühlen in mir. Wenn ich die Texte für ein Album beisammen habe, lese ich ein Gedicht Stück für Stück und versuche, die in den Zeilen in mir erzeugten Gefühle in Musik umzusetzen. Da die Gedichte verschiedene Gefühlsebenen aufweisen, gestaltet sich die Musik auch sehr facettenreich. So finden zB Melancholie, Verzweiflung, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Energie, Hoffnung oder Naturverbundenheit ihren Weg in die Lyrics, wobei natürlich all diese Gefühle nicht in jedem Song vorkommen, sondern jeder Song gewisse zum Thema hat. Verschiedene Gefühle sind also die Basis für vielseitige Musik...ich kann ja nicht eine melancholische Textstelle mit Blastbeats gestalten oder einen wütenden Teil mit sanften Streichern, das würde einfach nicht zusammenpassen. Ich muss eben die Bandbreite meiner Gefühle auch mit einer großen musikalischen Bandbreite umsetzen. Ich könnte meine Musik auch als Black-Gothic-Death-Thrash-Metal mit Klassik-, Filmmusik- und Percussionelementen bezeichnen, aber das wäre natürlich zu kompliziert. Mein Spektrum ist einfach nicht mit Begriffen wie Gothic Metal oder Gothic/Death-Metal beschreibbar...so nenne ich meine Musik einfach Emotion Metal, da ich so freie Hand habe, was das Schaffen angeht..egal, welche Songs ich schreibe, alles ist Emotion Metal, da verschiedene Emotionen im Vordergrund stehen, wobei manches nicht mal Metal ist. Dennoch überwiegen aber die Songs, wo verzerrte Gitarren und Doublebass oder Blastbeats auftreten und so ist es unterm Strich schon "Metal".

F: Im Beipackzettel zum Album findet man einige Anmerkungen und einführende Worte in das Tartosgardh Konzept. Wortwörtlich heißt es da: "Bei Tartosgardh geht es nicht darum, gute Musik zu machen, sondern verschiedene Emotionen und ihre Realisierung in Poesie und Musik stehen im Vordergrund". Bedeutet dies, dass eigentlich die Texte eine höhere Priorität genießen, als die Musik selbst?

A: Genau, die Texte haben Priorität. Ich sehe mich auch nicht als Musiker, sondern als Dichter. Das soll aber nicht heißen, dass es mir keinen Spaß macht, zu komponieren. Dennoch bin ich ein Liebhaber der Alliterationen, der Metaphern, der Reime, Wortspiele oder irgendwelcher Wortburgen. Es geht nicht darum, Qualität zu erzielen, gute Gedichte und Musik zu schreiben, sondern einfach, meine innere Gefühlswelt nach außen hin in Text und Musik zu transportieren. Emotionen wie Kälte oder Bewegungslosigkeit, Erstarren kann ich nicht anders als mit einem bis zwei minimalistischen Chords und einem monotonen Schlagzeug ausdrücken. Fühle ich mich im Gedicht wie gelähmt, sind mehrere Noten zu viel, schnellere Teile oder gar Soli fehl am Platz. Manche Gedichte von mir, z.B. depressive, die ich nach der Trennung von meiner ersten Freundin schrieb, könnte ich gar nicht vertonen, weil ich wahrscheinlich nur Stille auf die CD brennen würde. Wenn man eine CD in die Hand gedrückt bekommt, erwartet man Musik...und vielen Bands geht es darum, möglichst virtuos zu sein, schnelle Soli, technischen Anspruch, durchkomponierte Arrangements zu präsentieren. Mir aber nicht, deswegen habe ich eben diesen Beipackzetteltext verfasst, um zu erklären, worauf es mir ankommt. Hört jemand gewisse Passagen von "Den Moment, halt' ihn fest", fragt er sich, was diese zwei minimalistischen Chords samt weniger Cymbal-Anschläge sollen. Deswegen eben der Text, ich fühle mich zB eben gelähmt und deswegen muss die Musik auch so klingen, wie sie klingt. Besonders die Drums spiegeln den Gefühlszustand wider, ein Bassdrumanschlag symbolisiert meinen Herzpuls und je düsterer, morbider, "nervlich am Ende seiender" die Stimmung im Text ist, desto langsamer und minimalistischer agieren die Drums bis hin zum Fadeoutjk wie auf "Hinaus in die Kälte" hörbar. Eine Textzeile wie "Ich Spinne, deren Netz der Wind schüttelt" ("Auf der Bühne") resultiert wiederum in schnellen Cymbal-Anschlägen, die dieses Schütteln verdeutlichen sollen.

F: Ein weiterer Kritikpunkt, der von einigen Seiten aufgetaucht ist, wäre folgender: wenn es nicht darum geht, gute Musik zu machen und es sich bei Tartosgardh sozusagen um ein musikalisches Tagebuch handelt, warum veröffentlichst du die CDs und bewirbst sie durch das Verschicken von Promo Exemplaren?

A: Ja, ich mache Tartosgardh primär für mich, ohne bekannt werden zu wollen. Ich gehe nicht her, wie es leider viele Bands machen, und sage: "So, wir gründen eine Band, wir haben zwar erst einen Song, aber wir wollen da und dort live spielen und einen Plattenvertrag bei sowieso Records und dann headlinen wir mal vor Band so und so und unser Ziel ist es, von der Musik leben zu können." Ich habe Tartosgardh einfach aus dem Grund, weil ich mir Probleme von der Seele schreiben, Gedanken in Worte fassen, Gefühle in Worte fassen muss. Es ist für mich wie ein Ventil, eine essentielle seelisch-geistige Reaktion auf mein Leben (Momente, Abschnitte, Ereignisse...). Irgendwann habe ich dann ein Album fertig...und wieso sollte ich das nicht anderen zugänglich machen? Wenn es ihnen nicht gefällt, macht es nichts (ich habe es ja nicht für sie, sondern mich gemacht und es ist nichts verloren), wenn es ihnen gefällt, freut es mich. Zudem sehe ich mich schon als Künstler und wie ein Schauspieler sein Publikum braucht und jeder Schaffende gerne Anerkennung erntet und hört, dass jemandem sein Werk gefällt, so freut natürlich auch mich sowas. Ich spiele ja nicht live, aber wenn eine Band live agiert und das Publikum mitgeht, headbangt oder mosht, gefällt das doch jedem Musiker, das kann niemand leugnen. Allerdings sind positive Reaktionen anderer nur ein angenehmer Nebeneffekt auf ein Album, was ich sowieso aufnehme und kein Grund, der mich dazu bringt, Musik zu machen. Es ist einfach schön, wenn jemand mit Tartosgardh was anfangen kann oder mir erzählt, dass er neulich ganz traurig war und ihm ein Text von mir geholfen hat. Es freut mich, wenn jemand mit meiner Musik was anfangen kann, ob das nun viele Leute sind oder fünf, ist eigentlich total egal.

F: Siehst du "Nebelleben" als Einheit an oder favorisierst du einzelne Songs? Womit bist du denn nicht zufrieden?

A: Es kommt darauf an, wie du "Einheit" definierst. Ich mag alle Songs, sonst hätte ich sie ja nicht geschrieben. Das Album liegt einem Konzept zugrunde, behandelt verschiedene Entwicklungs-, Fühl- und Denkvorgänge, von Melancholie, Hoffnungslosigkeit und Vergänglichkeitsverzweiflung hin zu Energie, Leben, Progression. Jeder Song ist von Wichtigkeit und hat seine Aussage. Persönlich würde ich keinen streichen wollen, da sonst was fehlen würde, aber es gibt schon Tracks, die mir besser gefallen als andere. Mein Lieblingssong ist wahrscheinlich "Auf der Bühne". Der Song, der mich am besten beschreibt und das Konzept der "Nebelleben" in sich vereint, ist "Den Moment, halt' ihn fest". Er handelt von den positiven und negativen Seiten des Lebens, dass es sowohl "Leben" als auch "Nebel" gibt und beide einander brauchen bzw. sich übereinander definieren - deswegen das Palindrom "Nebelleben". "Schatten der Vergangenheit" ist von der Thematik her schon veraltet, ich musste den Song aber trotzdem vertonen, da die Ereignisse, die in ihm beschrieben werden, eben mein Leben stark prägten und da er für das vorhin genannte Konzept unumgänglich ist. "Freigeist" bedeutet mir auch noch viel, leider gibt es aber ein paar unsauber gespielte Gitarrenparts, was mir beim Hören störend im Ohr liegt. Eigentlich mag ich alle Songs gerne, wobei dies wieder von meiner Stimmung abhängig ist. Fühle ich mich "freigeistig", gefällt mir natürlich "Freigeist" am besten, bin ich traurig und verzweifelt, beschreibt "Hinaus in die Kälte" am besten meinen inneren Zustand und berührt mich am meisten. "Kunst Unsterblichkeit" bereue ich allerdings, ich wollte die Thematik bzw. das Gedicht wegen seiner Aussage unbedingt auf dem Album inkludieren, doch bezüglich Musik machte ich mir zu wenig Gedanken und so klingt der Song eigentlich nicht so, wie ich ihn komponieren wollte.

F: Soundmäßig ist das Album - zumindest für eine Eigenproduktion - sehr gelungen ausgefallen. Wie viele Mühen hat es gekostet, die Produktion nach deinen Wünschen hinzukriegen?

A: Naja, das Album klingt zwar nicht so scheppernd oder schlecht produziert, wie bei manchen Bands, die überschnell im Proberaum was aufnehmen oder den Sound absichtlich schlecht lassen und dies "true" nennen (wie manche Black Metal Bands), aber besonders gut klingt es auch nicht. Bis auf die Gitarren bin ich zufrieden, zwar klingt ein Song als Vision immer perfekt, aber das Problem ist eben, das in sich befindliche Gefühl in realweltliche Instrumente, Amps, Soundprogramme, Mixer und Masteringtools zu transferieren, vor allem mit meinen Möglichkeiten - man muss seine Träume schon einigermaßen zurückschrauben. Viele stoßen sich am Drumcomputer, ich hingegen mag den Sound sehr gerne. Die Gitarren sind mir aber zu kraftlos und mein größtes Manko ist, dass ich nie wirklich übe, geschweige denn geübt habe. So kann ich einerseits nur wenig spielen, andererseits spiele ich diese Riffs unsauber und mit kleinen Fehlerchen, weswegen ich die Gitarren in viele kleine Samples zerlegen muss. Die zusammenzustückeln und es wie in einem Guss gespielt klingen zu lassen dauert pro Song mehrere Stunden, bis alles halbwegs sitzt. Höre ich nun "Nebelleben", bin ich immer enttäuscht, welche Riffs ich darauf verwende und welche ich eigentlich verwenden wollte. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, in Zukunft "frei" zu komponieren, ich komponiere genau die Riffs, die mir gefallen, die ich einbauen will und lasse die Gitarren dann von einem, der sein Instrument wirklich beherrscht, einspielen. Bezüglich neues Album habe ich schon fast drei Songs fertig und von den Gitarrenriffs kann ich vielleicht 20% spielen. Oft wundere ich mich, wie ich es überhaupt schaffe, mit meiner falschen Technik und meinem "Können" oder eher Nichtkönnen überhaupt ein Album aufzunehmen. Den Großteil der Mühe haben also die Gitarren gekostet, sonst dauerte es aber auch noch lange, das Drumkit mit Soundfonts nach meinen Wünschen zusammenzubasteln, und, und, und...das würde hier den oben sprengen. Jedenfalls war es eine Menge Arbeit. Bei einer Band gehen die Musiker her und jeder spielt seinen Part ein, ich hingegen plage mich oft monatelang mit Banalitäten ab.

F: Welche Künstler inspirieren dich zum Weitermachen mit Tartosgardh und welche Musiker haben dich überhaupt dazu bewegt, ein Instrument in die Hand zu nehmen?

A: Für das Weitermachen inspirieren mich keine anderen Bands, sondern alleine nur die Tatsache, dass ich mir mittels Gedichten Probleme von der Seele schreibe oder einfach nur Gedanken und Gefühle festhalten will. Und solange ich das mache, möchte ich auch Musik komponieren und Alben veröffentlichen. Allerdings werde ich natürlich unbewusst von Bands beeinflusst, je nachdem, was ich eben höre, was aber eben nur die Komposition beeinflussen kann, aber nicht die Frage des Weitermachens. Ich sehe mich nicht als Musiker, sondern als Do-it-yourself-Typ. Ich habe mir schon immer Geschichten ausgedacht, Spiele erfunden, mit Programmen herumexperimentiert. Ich wollte nicht konsumieren, sondern selber erschaffen. Ich denke, dass Phantasie und Kreativität mich äußerst stark ausmachen. 1995 habe ich mit dem Music Maker herumgespielt, mit meinen ersten vier Gitarrenakkorden musste ich gleich einen Song schreiben. Bei meinem Crossoversong "Burn" war ich von Rage against the Machine beeinflusst, musikalisch wie auch textlich, und als ich schließlich anfing, zwei Gothic Metal Songs zu schreiben, fing ich gerade an, via Theatre of Tragedy dieses Genre und darauf folgend auch Death- und Black Metal zu erschließen.

F: Obwohl deine Lyrics sehr poetisch verfasst sind, fällt es dem Leser nicht schwer, ihren Sinn zu begreifen. Hältst du dich beim Dichten an Versmaße und dergleichen oder handelt es sich quasi um Freestyle-Dichtung?

A: Jein. Grundsätzlich ist es Freestyle-Dichtung, manchmal passen mir Reime besser ins Gedicht, manchmal geht es schlicht darum, Inhalt reinzubringen. Ich reime weder stur noch verzichte ich ganz darauf, ich schreibe einfach Zeile für Zeile mit dem Computer, lasse mein Gefühl in die Tasten fließen und habe dabei meist einige Biere oder Wein intus, sodass ich so gut wie nicht nachdenke. Manche Stellen hingegen verfasse ich nüchtern und konstruiere sie regelrecht nach Aussage und Schema. Die Lyrics bestehen oft vom Inhalt her zusammenpassend aus einem oder auch mehreren Gedichten, manchmal zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden. Regeln gibt es aber dabei nicht, ich schreibe so, dass mir das Resultat gefällt und es meine Gefühlswelt im Moment des Schreibens widerspiegelt, ein zwingendes Versmaß einzuhalten ist nicht wichtig. Allerdings ist es meistens schwer, die Lyrics mit der Musik zu verbinden, da ich zuerst ja den Text schreibe und in die Musik nur die Stimmung fließen lassen, aber nicht auf Rhythmus und Takt achte. Dann habe ich Textpassagen und Riffs und muss grübeln, wie ich nun die Zeilen Wort für Wort in die Takte bringe.

F: Man bemerkt in den Lyrics eine ständige Nähe zur Natur? Was bedeutet sie für dich und auf welchen Wegen genießt du sie und lässt sie auf dich wirken?

A: Ich liebe die Natur, sie ist für mich quasi eine Gottheit. Ich glaube an keinen personifizierten Gott oder an Satansgeschwafel, mit der Kirche kann ich sowieso nichts anfangen, was nicht heißt, dass ich sie ablehne. Wer hingehen will, soll hingehen dürfen, wer nicht hingehen will, soll nicht hingehen müssen. Für meinen Glauben braucht es keine Religionen, die Natur entstand und besteht aus sich. Ich mag besonders Berge, Seen, Wälder, Schnee, Regen, Gewitter, dadurch spüre ich, dass ich lebe. Allerdings gehe ich wiederum viel zu selten hinaus, weil ich am Computer irgendwas herumbastle. Ich würde nicht sagen, dass die Natur ständig in meinen Lyrics vorkommt...außerdem musst du zwischen realer Natur und meiner inneren Gefühlswelt unterscheiden. Wenn ich gefühls- und gedankenversunken mit Kopfhörern im Ohr laut eine gute CD hörend betrunken dichte, kann ich in mir Wälder, Wasserwogen und sonstiges empfinden (siehe die kommenden Songs "Empfindungswelten" oder "In Ohnmacht ertrinkend..." - die Texte dazu sind auf meiner Homepage schon nachzulesen), ohne dass ich von realer Natur beeinflusst werde. Deswegen nenne ich voraussichtlich auch mein nächstes Album "Eigenwelt und Sternenzelt" - "Eigenwelt" beschreibt meine innere Welt, "Sternenzelt" die äußere, wobei beide oft ineinander verschmelzen. Es mag schon seltsam erscheinen, wenn man meine Texte liest und erfährt, dass ich besoffen vor dem Computer hänge, aber dass Schreiberlinge Bewusstseinserweiterndes bzw. Gefühlverstärkendes nicht ablehnen und auch gezielt einsetzen, ist ja ohnehin nichts Neues. Bei mir beschränkt sich das Bewusstseinserweiternde allerdings nur auf Bier und Wein.

F: Tartosgardh existiert ja bereits seit 1998 und "Nebelleben" stellt immerhin schon die vierte Veröffentlichung dar. Wie denkst du rückblickend über die Vorgänger "Dragonstorms", "Seelenopfer braucht der Tod" und die Single "Rest in Terrifying Agony"?

A: "Rest in Terrifying Agony" war mein erster Metalsong überhaupt. Von Theatre of Tragedy inspiriert, wollte ich eben herumexperimentieren und habe das Ergebnis auf CD gebrannt. Dabei dachte ich allerdings noch nicht an eine Band oder ein Album. Es war einfach ein Experiment, das ich danach auf CD brannte, um es mir mittels Soundmachine anhören zu können. Schließlich fand ich Gefallen am Musizieren und so machte ich mir Gedanken über ein Projekt und schrieb nach und nach neue Songs. Ich war zwar nie wirklich klischeemäßig drauf, aber die Texte auf "Seelenopfer braucht der Tod" sind allesamt sehr düster und von Todessehnsucht geprägt, nicht, weil das zu der Musik gehörte oder weil andere Bands solche Musik machten, sondern weil ich mich so fühlte. Damals konnte ich noch nicht die Drums von Midi in WAV konvertieren und ich überspielte zuerst via Kabel die Drums und den Bass auf Kassette und dann wieder zurück in den Computer, wo ich sie als WAV aufnahm...was der Qualität sehr schadete, zudem ich auch direkt den Midisound meiner damaligen Soundkarte verwendete. Bei "Dragonstorms" ging ich schon leicht professioneller zu Werke, die Drums sind besser, die Songs vielseitiger und nicht so düster, zudem bewege ich mich dort noch in einer Fantasy-Welt. Hier sei auch mal angemerkt, dass ich erst seit "Nebelleben" "richtigen" Emotion Metal mache, nach meiner Definition...früher bezog sich das "Emotion" nicht so sehr auf die Texte (weil es eben viel Fantasy war), sondern nur auf die vielseitige musikalische Bandbreite. Die Vocals nahm ich bei Martin von Enid auf, in zwei Stunden. Ich konnte nicht aus mir gehen und die Zeit war viel zu knapp, deswegen bin ich mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden. Ich bin ja kompletter Laie, mache alles vom Aufnehmen bis zum Mischen und Mastering nur nach Gefühl und muss dauernd diverse Leute fragen, wie ich was am besten hinbekomme, ohne mich wirklich auszukennen. So machte ich auf jedem Album diverse "Fehler" und musste Abstriche in Punkto Sound machen, habe also alles andere als das beste aus meinem Equipment herausgeholt. Der Sound wurde folglich von Album zu Album besser, weil ich dazulernte. Mit "Nebelleben" bin ich wie gesagt zufrieden, besonders mit den Drums und Vocals (noch einmal ein Danke an Stefan Traunmüller von Golden Dawn für seine Zeit und Mühe beim Michaufnehmen!). Die Gitarren sind noch nicht so toll, aber bei der kommenden CD wird sich hier einiges ändern, da ich zwar alles komponiere, aber sie eben einspielen lasse - so wird es erstmals ordentliches Black Metal Geschredder und schnelle Thrashriffs geben. Zu den Texten meiner bisherigen Alben muss ich sagen, dass ich die Songs zwar noch gerne höre, aber die Lyrics zum Großteil veraltet sind und ich sie heute nicht mehr so schreiben würde oder gar lächerlich finde. Die Texte repräsentieren ja stets mein momentanen Entwicklungsstadium, ich halte fest, wie ich bin, wie ich fühle, was mich bewegt, doch das Album wird erst Monate oder auch ein Jahr nach der Entstehung der Texte fertig. Deswegen kann es sein, dass ich die Texte gar nicht mehr so empfinde, da sie einfach veraltet sind. Die Lyrics für das kommende Album "Eigenwelt und Sternenzelt" umfassen eine Zeitspanne von März '03 bis November, doch bis das Album wirklich fertig ist, wird noch viel Zeit vergehen und so kann es durchaus sein, dass gewisse Texte bei Veröffentlichung des Albums schon ein oder gar zwei Jahre auf dem Buckel haben. Da ich mich ständig weiterentwickle, werden gewisse Lyricspassagen notgedrungen "veraltet" sein und mein momentanes Ich nicht mehr in diesem Ausmaß widergeben, wie sie bei der Entstehung der Texte taten.

F: Welche Combos aus dem heimischen Underground kannst du denn den Musikfreaks da draußen empfehlen?

A: Bezüglich österreichischem Underground gefallen mir besonders Stand Ablaze, Sternenstaub, Golden Dawn (sollte eigentlich jeder kennen, aber erschreckend viele schauen einen bei Erwähnung des Namens fragend an), Olemus, Vanitas, Eye of Betrayer und Festering Flesh. Ein besonderer Gruß geht hier an Crusade! Allgemein von den heimischen Bands haben es mir zwei besonders angetan, nämlich Dornenreich und Summoning, die zu meinen absoluten Lieblingsbands zählen, weiters Golden Dawn, die mit "The Art of Dreaming" ein Kultalbum abgeliefert haben und Olemus - an dieser Stelle möchte ich besonders Robert grüßen, sein Zugang zur Musik hat mit dem meinigen einige Parallelen.

F: So, das waren dann alle Fragen an dich. Wie hat dir dieses Interview eigentlich gefallen?

A: Ich freue mich immer, wenn sich jemand für mein Schaffen interessiert. Die Fragen waren alle interessant und gut gewählt.

F: Die letzten Worte gehören natürlich dir....

A: Danke für das Interview, es hat mich gefreut. Gruß an meine Familie, meine Freundin und meine Freunde! Auch, wenn diverse Metaller ihre Scheuklappen aufhaben und meine Worte lächerlich finden, sei folgendes gesagt: Progression ist Leben, Stagnation ist Tod, geistig und auch körperlich. Denkt mit, bildet euch weiter, hinterfragt, seid ehrlich zu anderen und zu euch selbst. Verliert nie das Interesse an Neuem und haltet Menschlichkeit und Toleranz hoch.

  

V10.04.20
~ Bin federgeboren ~
DE / EN